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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Nominale Klassifikationssysteme in Afrika zwischen Genus und Deklination (Deriflektion)

 

Gefördert durch:             Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektdauer (2. Phase):  April 2020 – März 2023

 

Projektleiter

Prof. Dr. Tom Güldemann

 

MitarbeiterInnen

Dr. Ines Fiedler

Julius Elstermann (studentische Hilfskraft)

Adrian Krause (studentische Hilfskraft)

 

Assoziierte WissenschaftlerInnen

Michael Schulze (Mel-Sprachen)

Jan Junglas (tripartite Numerussysteme in Nordostafrika)

 

Projektbeschreibung

Basierend auf dem grundlegenden Verständnis von ‚Genus‘ als nominaler Klassifikation, die mit grammatischer Konkordanz einhergeht, wird das Projekt die grammatische Kategorie ‚Genus‘ in ihrer Beziehung zu nominaler Deriflektion (Deklination) in afrikanischen Sprachen untersuchen. Ausgangspunkt ist der in Güldemann und Fiedler (2019) dargestellte Forschungsansatz, der vier analytische Kernkonzepte von Genus unterscheidet: (i) die Konkordanzklasse, (ii) das Genus (die Genusklasse), (iii) die (formale) Nominalklasse, und (iv) die Deriflexionsklasse (zuvor: Deklinationsklasse). Auch wenn alle diese Konzepte eng miteinander verflochten sind, müssen sie doch sowohl hinsichtlich ihrer Beschreibung als auch ihrer Analyse methodisch strikt voneinander getrennt behandelt werden. Das Projekt verknüpft zwei grundlegende Forschungsfragen, wobei die eine typologisch orientiert ist, während die andere eine historisch-vergleichende Fragestellung verfolgt.

Ziel der typologischen Projektkomponente ist die Weiterentwicklung des soliden einheitlichen Forschungsansatzes für Genussysteme auf der Basis der vier oben genannten analytischen Kategorien. Im Fokus der Untersuchungen stehen Sprachen, die ein Profil komplexer und/oder theoretisch interessanter Numerus-Deklination im Wechselspiel mit Genus aufweisen, wie z.B. Kadu, Kuschitisch, Kordofanischen, Kx’a und Tuu, was oft zu einer komplexen Interaktion und Konkurrenz zwischen formaler und semantischer Genuszuweisung führt. Dies wird auch die Grundlage für eine Typologie von Genussystemen auf kontinentaler Ebene bilden.

Ziel der historisch-vergleichenden Komponente ist die Rekonstruktion von Genussystemen im Niger-Kongo auf verschiedenen genealogischen Ebenen. Die Forschung in dieser Gruppe ist traditionell oft durch einen teilweise problematischen Ansatz geprägt, der, aus der Bantu-Forschung kommend, Konkordanz und formale Nominalklasse unter dem philologischen Konzept der „Nominalklasse“ zusammenfasst. Das führte zu einer unvollständigen oder sogar fehlerhaften Rekonstruktion von Genussystemen in anderen Familien sowie deren teilweise irreführender Bewertung in typologischer Forschung. Um die Rekonstruktion früherer Sprachzustände zu verbessern, wird in diesem Projekt der obige sprachübergreifende Forschungsansatz, der Genus und nominale Deklination separat behandelt und damit die Vergleichbarkeit der Daten gewährleistet, Anwendung finden. Während in der ersten Projektphase fünf geographische Einheiten mit funktionierenden Genus- und dazugehörigen Deriflektionssystemen untersucht worden sind, deren Untersuchung fortgeführt wird, stehen in der 2. Phase Sprachen im Fokus, die nur nominale Deriflektion bewahrt haben. Es wird erwartet, dass die historisch-vergleichende Analyse unter Einbeziehung von arealer Verteilung und Sprachkontakt Licht in die immer noch rätselhafte Geschichte von Afrikas größter Sprachfamilie sowie auf globaler Ebene werfen wird.