Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Humboldt-Universität zu Berlin | Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät | Institut für Asien- und Afrikawissenschaften | Regionale Fachbereiche | Seminar für Afrikawissenschaften | Veranstaltungen | Termine | 29.06. Afrikakolloquium: Tandemvortrag von Prof. Gilbert Dotsé Yigbe: "Diedrich Westermann (1875 – 1956), ein Zeuge der Resilienz afrikanischer Kulturen?" und Dr. Holger Stoecker: "Die Chance in der Krise. Zur Einrichtung des Afrikanistik-Lehrstuhls an der Berliner Universität vor 100 Jahren"

29.06. Afrikakolloquium: Tandemvortrag von Prof. Gilbert Dotsé Yigbe: "Diedrich Westermann (1875 – 1956), ein Zeuge der Resilienz afrikanischer Kulturen?" und Dr. Holger Stoecker: "Die Chance in der Krise. Zur Einrichtung des Afrikanistik-Lehrstuhls an der Berliner Universität vor 100 Jahren"

  • Wann 29.06.2022 von 16:15 bis 17:45
  • Wo Videokonferenz per Zoom
  • Name des Kontakts Prof. Tom Güldemann
  • iCal
Bei Interesse melden Sie sich bitte bis 28. Juni über folgende Emailadresse an, um den Zoom-Link zu erhalten:
schwemmm@hu-berlin.de
 

 

a) Gilbert Dotsé Yigbe (Université de Lomé): Diedrich Westermann (1875 – 1956), ein Zeuge der Resilienz afrikanischer Kulturen?

Der Name Westermann wird allgemein mit einer der wichtigsten Phasen in der Entwicklung der Studien der afrikanischen Sprachen und Kulturen gleichgesetzt. Dies hat Westermann selber u.a. in einem Vortrag bestätigt, den er im Mai 1936 bei der Jahrhundertfeier der Norddeutschen Mission und zum Ausklang einer langen Polemik hielt, die Anfang der 1930er-Jahre durch die Veröffentlichung einer Kirchenordnung der Ewe-Kirche entfacht wurde. Trotzdem ist dieser facettenreiche Afrikanist (auch) aus der afrikanischen Perspektive keine unumstrittene Figur, und zwar nicht nur wegen seines missionarischen Dünkels oder seiner völkischen Verbindungen mit dem NS-Regime, sondern weil er durch eine glückliche Fügung zu einem Allroundtalent geworden ist, der 1900 als evangelischer Missionar den Entsendeauftrag in die deutsche Kolonie Togo erhielt, wo er über das intensive Studium der sogenannten heidnischen Bräuche vor der Bekehrung der Afrikaner zum Christentum zur Einsicht kam, dass der Missionar über das Studium der Sprache und der Kultur zur Ideenwelt der zu missionierenden Völker gelangen konnte. Diese bei der missionarischen Tätigkeit gewonnene Einsicht prägte auch seine spätere sprachwissenschaftliche und völkerkundliche Lehre und Forschung am Seminar für orientalische Sprache an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Der Vortrag eruiert, wie Westermann zur „Musealisierung“ der afrikanischen Kulturen beigetragen hat.

 

b) Holger Stoecker (Humboldt-Universität zu Berlin): Die Chance in der Krise. Zur Einrichtung des Afrikanistik-Lehrstuhls an der Berliner Universität vor 100 Jahren

Die Jahre zwischen 1918/19 und 1945 wurden mitunter als "klassische Periode" für die deutsche Afrika-Forschung beschrieben. Zuvor wurde die Afrikanistik in Forschung und Lehre von einem Netzwerk aus Experten und Missionaren getragen, welche oft vor allem einen biographischen Bezug zu Afrika hatten und sich als Teil des deutschen Kolonialprojektes verstanden. Nach der Zäsur des Ersten Weltkrieges trat die Afrikaforschung in einen Prozess der Professionalisierung und der Akademisierung ein. Voraussetzung hierfür war die Etablierung der Afrika-Forschung im universitären Kontext, und hier vor allem die Einrichtung einer Professur für afrikanische Sprachen an der Philosophischen Fakultät der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin im Jahr 1921. Die Begründung des Afrika-Lehrstuhls, in dessen institutioneller Nachfolge das heutige Seminar für Afrikawissenschaften steht, und die Berufung von Diedrich Westermann waren vor einhundert Jahren jedoch keineswegs ausgemacht. Der Vortrag beleuchtet wissenschaftspolitische Reformansätze und Kontroversen in der Nachkriegskrise um Abschaffung oder Aufwertung der universitären Afrikawissenschaften in Berlin.