Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

16.05.: Katsura. Das architektonische Weltwunder Japans?

Vortrag von Prof. Dr. Manfred Speidel, RWTH Aachen
Wann 16.05.2018 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200) iCal
Wo Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden, 6, Hörsaal 3075
Kontaktname Dr. Harald Salomon
Kontakt Telefon harald.salomon@rz.hu-berlin.de

Die "kaiserliche Villa" Katsura in Kyoto, erbaut zwischen 1617 und 1663, ist zusammen mit dem Seen-Park, vier Pavillons und einem kleinen Tempel eine der berühmtesten Anlagen Japans geworden.


Die einfache Architektur der drei aneinander gekoppelten Shoin-Wohnbauten wurde seit der Mitte der 1950er Jahre insbesondere durch den Architekten Kenzo Tange mit den Fotos von Yasuhiro Ishimoto zu einem idealisierten Modell, das japanische, traditionelle Architektur in die unmittelbare Nähe zur "modernen", "westlichen" Baukunst brachte und das Traditionelle im Sinne der Nachkriegs-Kulturdebatte mit der Gegenwart versöhnen sollte.


Die Katsura-Euphorie entfachte jedoch Bruno Taut, der 1933 bis 1936 als Emigrant in Japan lebte, mit seinen Schriften. Für ihn war, abhold jeder Stil-Zuschreibung, im Gegensatz zu Tange, Katsura nicht eine proto-moderne Architektur, vielmehr ein vorbildhafter Ausdruck einer freien Gesellschaft von Individuen, in der die Bauten mit dem Garten entsprechend ihrer gesellschaftlichen Funktion unterschiedlichen künstlerischen Aufwand zeigen. Sie sind zudem sinnvoll aufeinander bezogen. Taut definierte das Katsura-Ensemble als eine "Architektur der Relativität" und aus diesem Grunde als "modern".

 

Manfred Speidel
Univ.-Prof i.R., Dr.-Ing. (Japan)
geb. 1938 in Stuttgart

1965 Diplom an der TH Stuttgart im Fach Architektur; 1966-1975 Forschungsstudent in Japan; 1973 Promotion an der Waseda Universität, Tokyo; 1975-2003 Professur für Architekturtheorie an der RWTH Aachen mit den Schwerpunkten: Geschichte der modernen Architektur Europas und Japans, Architekturanthropologie, Experimenteller Lehmbau. Ausstellungen über japanische Architektur in Düsseldorf 1983, über Bruno Taut in Japan 1994 und in Magdeburg 1995, 2007 im Watarium, Tokyo; Dokumentation und Herausgabe des literarischen Werkes von Bruno Taut, insbesondere dessen Schriften im japanischen und türkischen Exil.

 

Eine gemeinsame Veanstaltung des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte und der Mori-Ôgai-Gedenkstätte zu Berlin