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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

31.10.: Der „Geist der feudalen Loyalität“ - Mori Ôgai und Maruyama Masao zu einem widersprüchlichen Ethos

Wann 31.10.2019 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100) iCal
Wo Mori-Ôgai-Gedenkstätte,Luisenstraße 39, 10117 Berlin
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Kontakt Telefon 030-2093 66923

Der Schriftsteller und oberste Militärarzt Japans, Mori Ôgai, beschreibt in der Erzählung „Der Zwischenfall in Sakai“ (1914) den "Geist der Samurai" und ihr Handeln vor allem in der Umbruchphase nüchtern und drastisch. In einer anderen Erzählung von 1915 umschließt ein junges Mädchen gerade in ihrer Unterwerfung unter die Obrigkeit den Kern der möglichen Rebellion.

Für den Ideenhistoriker und politischen Denker Maruyama Masao steckt im Handeln aufbegehrender Samurai, durch das der Weg zu einem modernen Japan eröffnet werden soll, eine verborgene Seite der feudalen Treue (Loyalität und Rebellion, 1960 / 1992). Gerade auch eine solche Motivation setzte also die Energie der Akteure frei.

Die gängige Etikettierung Maruyamas als eines "Modernisten", wie sie immer noch häufig anzutreffen ist, wird so durch diese Interpretation der Meiji-Erneuerung und ihrer Geschichte in Frage gestellt. In Loyalität und Rebellion wird für Maruyama der „Geist der Samurai“ zu einem Gegenpol zum bürokratischen Untertanengeist im modernen Japan.

 

(em.) Prof. Dr. Wolfgang Seifert

Studium der Politikwissenschaft, Japanologie, Philosophie und Soziologie in Bonn, Frankfurt a.M. und Tōkyō, Promotion in Politikwissenschaft in Frankfurt a.M, Habilitation in Japanologie in Marburg. Von 1992 bis 2011 Professor für Japanologie (Gesellschaft und Geschichte des Modernen Japan) an der Universität Heidelberg. Forschungsgebiete: Politik- und Ideengeschichte Japans, Beziehungen zu den Nachbarländern. Veröffentlichungen zum Nationalismus im Nachkriegs-Japan, zur Sicht der Moderne bei einzelnen Denkern, und zu den Gewerkschaften im politischen System Japans.

Mehrere kommentierte Übersetzungen aus dem Japanischen, u.a. Maruyama Masao, Loyalität und Rebellion (hrsg. und übers. mit W. Schamoni) München: Iudicium 1997, sowie Takeuchi Yoshimi, Japan in Asien. Geschichtsdenken und Kulturkritik nach 1945 (hrsg. und übers. mit Chr. Uhl) München: Iudicium 2005.

Letzte Veröffentlichungen:

"Maruyama Masao und seine Beziehung zu deutschen Autoren in Philosophie und Wissenschaft", in: Japonica Humboldtiana (2018), S. 199-228.

"Entfernte Verwandte? Masao Maruyama und Franz Neumann zu „Ultranationalismus“ und Nationalsozialismus", in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung (2019-1), S. 161-174.