Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Selbstzivilisierung im Himalaya: Strategien zur Herrschaftslegitimation der Eliten im Gorkha Raj und Nepal, ca. 1744-2008

Dissertationsprojekt von Stefan Lüder (stefanlueder[at]outlook.com)

 

Am Beispiel des Gorkha Rajs/Nepals soll der Frage nachgegangen, inwieweit die Geschichte der Himalaya Region seit Mitte des 18. Jh.s mit den Nachbarregionen und im weitesten Sinn mit der übrigen Welt verwoben ist. Die These dabei lautet: Die Himalaya Region ist keinesfalls von der Welt isoliert, wie in weiten Teilen von akademischer und populärer Literatur dargestellt, sondern mit dieser auf vielschichtige Art verflochten. Das Vorhaben stellt gewollt das hegemoniale Narrativ von der isolierten terra incognita im höchsten Gebirge der Erde in Frage und hat einerseits das Potenzial unser Verständnis für die Geschichte der Himalaya Region vertiefen, und andererseits die theoretischen Debatten zu Zivilisierungsmissionen und Selbstzivilisierung bereichern zu können.

 

Anhand des Beispiels der Selbstzivilisierung im Gorkha Raj/Nepal lässt sich zeigen, wie regionale Dynamiken der Staatsbildung zu neuen Formen der Herrschafts-legitimation führen. Diese ist zunächst in eigenen, regional entwickelten Strategien der Selbstzivilisierung, mit zunehmender regionaler Verflechtung im 19. Jahrhundert dann schließlich in der Adaption und Anverwandlung kolonialer Strategien zur Zivilisierung der benachbarten Briten in Südasien zu suchen. Die Betonung liegt dabei auf der Kontinuität von Strategien zur Selbstzivilisierung, die der zunehmenden regionalen und globalen Verflechtung Rechnung tragen, indem sie flexibel angepasst wurden.

 

Aufgrund der historischen Herangehensweise ist die kritisch-hermeneutische Quellenanalyse die wichtigste Methode. Neben Quellenmaterial in verschiedenen Textformaten, gilt es auch Bildformate und audiovisuelles Material zu erschließen und auszuwerten. Um auch die Langzeitfolgen und -wirkungen von Projekten zur Selbstzivilisierung dokumentieren, historische Kontinuitäten und die Aktualität der Thematik sichtbar machen zu können, wird der Untersuchungszeitraum von Mitte des 18. Jahrhunderts, dem Beginn der Staatsformierung im Himalaya, bis 2008, dem endgültigen Ende der Monarchie in Nepal, festgelegt. Ergänzend zur kritisch hermeneutischen Quellenanalyse soll eine eigene Feldforschung in Nepal durchgeführt werden. Ziel dabei ist, die fotografische Dokumentation von Architektur, Technologie sowie Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert und deren gegenwärtiger Zustand und Nutzung.

 

 

Stefan Lüder, geboren 1987, studierte Regionalstudien Asien/Afrika und Moderne Süd- und Südostasien-Studien am Institut für Asien und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, sowie Development Studies an der Kathmandu University und Moderne Südasienkunde und Tibetologie am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde an der Universität Wien. Regionaler Schwerpunkt seines Studiums ist vor allem die Himalaya Region. Doch seine Forschungsinteressen erstrecken sich über ein thematisch breit gefächertes Spektrum. In seinem Dissertationsprojekt knüpft er an die Vorarbeiten seiner Masterarbeit an. Seit Oktober 2015 promoviert er am IAAW und wird von der Studienstiftung des Deutschen Volkes mit einem Promotionsstipendium gefördert.