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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Humanities and Social Sciences - Institute of Asian and African Studies

Swahili

Wahrscheinlich ist Swahili, abgesehen von Arabisch, die bekannteste der 1500 bis 2000 afrikanischen Sprachen. Wörter aus den Bereichen internationaler Tourismus, Film, Fernsehen und Politik wie Uhuru, Jambo, Ujamaa, Simba, Bongo Flava, Hakuna Matata, Mambo, Daktari oder Safari sind weltbekannt, wenn auch nicht immer mit der gleichen Bedeutung wie in der Swahilisprache selber.

Obwohl international schon seit mehreren Jahrzehnten die Bezeichnung 'Swahili' benutzt wird, findet man im deutschen Sprachbereich noch häufig Suaheli, Suahili, oder Kisuaheli.
Gemeint ist die Sprache, die in Ostafrika (Kenia, Tansania, Uganda) und großen Teilen von Zentralafrika (Ruanda, Burundi, Kongo) als Verkehrssprache weit verbreitet ist. Sie ist eine der größten Verkehrssprachen Afrikas, ihre Funktion vergleichbar mit der des Englischen in Westeuropa. Außerhalb Afrikas gibt es swahilisprechende Gemeinschaften in Oman, den Emiraten, Dänemark, England und Kanada.
Der Name ist von dem arabischen Wort für 'an der Küste' abgeleitet und dort, an der ostafrikanischen Küste (von Mogadischu in Somalia bis Nord-Mosambik) und auf den davor liegenden Inseln (u. a. auf Bajun, Lamu, Pate, Pemba, Unguja, Mafia und Kilwa), leben die Menschen schon seit über 1200 Jahren ihr Leben 'auf Swahili'. Auf Swahili nennen sie ihre Sprache Kiswahili, und dieses Wort wird auch manchmal in Fremdsprachen als Sprachname verwendet.

 

Geschichte: wer spricht wo seit wann Swahili?

Die Sprache hat sich vom 9. Jahrhundert an über die ganze ostafrikanische Küste verbreitet und eine Kultur vermittelt, die in ihrem Ursprung afrikanisch, merkantilistisch, maritim, städtisch und islamisch ist. Die Küstenbewohner hatten das Festland im Rücken und den Indischen Ozean vor Augen, der ihr Leben prägte - ihre Arbeit, das Essen, den Baustil ihrer Häuser und Moscheen, aber auch die Wahl ihrer Ehepartner, ihre Weltanschauung und frühe Schriftlichkeit.

Damals wurde die Sprache schon die Flüsse und Karawanenwege entlang von Geschäftsleuten, und Trägern, aber auch von Imams, die ihre religiöse Ausbildung auf Zanzibar oder Lamu bekommen hatten, ins Binnenland weiter getragen, wo eine große Menge unterschiedlicher Sprachen gesprochen wurden.
Nachdem die Portugiesen ihre Macht an die Oman-Araber verloren hatten, folgte eine zweite Expansion ins Innere Afrikas hinein, bis in den heutigen Kongo, wo Swahili jetzt eine der vier Nationalsprachen ist. Als sich dann im 19. Jahrhundert die europäischen Kolonialmächte zur Aufteilung Afrikas entschlossen, war das Swahili schon weit verbreitet, und verbreitete sich noch durch Missionen und Kolonialinstitutionen wie Armee, Schulen (das Swahiliwort Shule ist eins der wenigen deutschen Sprachzeugnisse dieser Zeit), Post und Eisenbahn.

Im politischen Kampf für die Unabhängigkeit Tanganyikas wurde die Sprache zum Symbol der Freiheit, und damit ihre weitere Verbreitung abgesichert. In Kenia und - in geringerem Maße - in Uganda wurde sie ebenfalls ein Symbol für 'Umoja', Einheit gegen die koloniale Unterdrückung. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit Anfang der 60-er Jahre wurde, zuerst in Tansania, aber später auch in Kenia, viel Energie und Geld aufgewendet mit dem Ziel, der Swahilisprache eine feste Position in der neuen Gesellschaft zu garantieren und mit ihr eine neue nationale Kultur aufzubauen.

Die weitaus meisten der über 60 Millionen SwahilisprecherInnen haben Swahili nicht als ihre Muttersprache, sondern als Zweit- oder Drittsprache erlernt. Gleichzeitig hat sich aber in den Städten eine neue Generation entwickelt, deren 'Muttersprache' Swahili ist, ohne dass es die Sprache der Mütter (und Väter) ist. Infolgedessen sind die Sprache, ihre verschiedenen Dialekte und Varietäten und die Frage, welche von diesen als 'korrekt' bezeichnet werden können und dürfen, Gegenstand ständiger Diskussionen.

 

Sprachwissenschaft: eine einfache Sprache?

Die Auffassung, dass Swahili eine Art Arabisch, eine Mischsprache, eine Kreolsprache oder eine orientalische Sprache, entstand aufgrund seiner Flexibilität, die es möglich machte, eine relativ hohe Zahl von vor allem arabischen ( aber auch u. a. indischen, englischen und portugiesischen) Wörtern, angepasst an seine Wortstruktur, und manchmal mit Änderung der ursprünglichen Bedeutung in sein Vokabular aufzunehmen. Übrigens hat die Aufnahme dieser Fremdwörter auf die Struktur der Sprache kaum einen Einfluss gehabt.

Die engsten Verwandten des Swahili sind Sprachen, die als Sabaki-Sprachen bekannt sind und zu den Nordost- Bantusprachen gehören, einer Subgruppe der Familie der Bantussprachen. Diese Gruppe typologisch sehr ähnlicher Sprachen ist im Verhältnis zu anderen Sprachgruppen sehr zahlreich - mehr als 350 Sprachen sind bekannt, die in ganz Afrika südlich der Sahara von Kamerun bis Süd- Somalia gesprochen werden. In Afrika, Madagaskar einbezogen, wurden fünf große Spachphylae identifiziert. Die Bantusprachen sind Teil der Großfamilie (Phyla), der der Name Niger-Kordofanisch gegeben wurde.

Wie andere Bantusprachen auch hat das Swahili eine spezifische Art, die Wörter, welche in einem Satz zusammengehören, zu markieren. Sie bekommen mit dem Hauptwort kongruierende Vor- oder Nachsilben, wie in den folgenden Beispielen:


Vilima  hivi    virefu   vilivyo       vizuri  vipo       karibu
Hügel - diese - hoch - die, die sind - schön - sie sind - nah
"Diese hohen Hügel, die schön sind, sind nah"

milima  hii     mirefu   iliyo         mizuri  ipo        karibu
Berge - diese - hohe - die, die sind - schön - sie sind - nah
"Diese hohen Berge, die schön sind, sind nah"

 

Eine andere Eigenschaft des Swahili ist die regelmäßige Bildung von Verben mittels der Erweiterung der Verbwurzel um eine oder mehrere Silben, z.B.:

     -pend.a     "lieben, mögen"        -pend.w.a        "geliebt werden"
     -pend.e.a   "für etwas lieben"     -pend.el.e.a     "bevorzugen"
     -pend.ek.a  "beliebt sein"         -pend.ek.ez.a    "vorschlagen"
     -pend.ez.a  "gefallen"             -pend.ez.esh.a   "verschönern"
     -pend.an.a  "einander lieben"      -pend.el.e.an.a  "einander bevorzugen"

 

Eine Verbalphrase aus Subjekt-, Zeit-, Modus-, und Objektpräfix, Verbstamm, Endung und Suffix wird durch eine feste Reihenfolge dieser gebundenen Partikeln im Wort gebildet:

      a - li - vyo - ku - ambi.e - ni       "wie er/sie euch gesagt hat"

 

Literatur: wie erzählen und schreiben die Swahili?

Die Schreibung des Swahili beruht auf dem lateinischen Alphabet, obwohl es bis zum Ende des 19. Jahrhundert mit arabischen Buchstaben geschrieben wurde, mit oder ohne Vokalzeichen, und auch heute wird das arabische Alphabet von einzelnen Personen noch verwendet.

Manche Laute werden mit zwei Buchstaben geschrieben (ch, dh, gh, kh, sh, th), und die Aussprache der Vokale (i, e, a, o, u) und verschiedenen Konsonanten ist nicht in jedem Falle wie im Deutschen oder Englischen. So werden z. B. die Konsonanten [b, d, g, j] implosiv gesprochen.

Das Swahili verfügt über eine relativ alte Tradition von schriftlicher Überlieferung. Neben der oralen Überlieferung von Sprichwörtern, Aphorismen, Geschichten, Gesängen und Liedern gibt es seit dem 17. Jahrhundert, wahrscheinlich auch schon länger, eine Vielfalt von geschriebenen literarischen Genres: Lange epische Dichtungen, Kurzgedichte, historische Chroniken, Fabel, Kurzgeschichten, und sogar eine Biographie. Im Laufe der Zeit wurde diese in arabischer Schrift verfasste Literatur teilweise in lateinischer Schrift transkribiert, aber es gibt noch zahlreiche Werke, die auf eine solche Bearbeitung warten, und Fachleuchte werden immer weniger. Seit den 40-er Jahren wurden Romane und Theaterstücke geschrieben, und vor allem seit der Unabhängigkeit hat man eine moderne Swahili-Literatur aufgebaut und gleichzeitig Werke anderer SchriftstellerInnen, sowohl aus der Weltliteratur als auch aus anderen afrikanischen Literaturen, in das Swahili übersetzt. Die alten oralen Genres finden als Gedichte ihren Weg in die Zeitungen, oder als Liedtexte in die Taarab-Musik, Swahili-Musik per se, deren Popularität weit über die Küstenkultur hinausgeht. Ebenfalls hat das Genre der Dichtung im politischen Bereich einen festen Platz erworben. Neben diesen modernen literarischen Äußerungen ist die alte Tradition der religiösen Dichtung mit ihren langen Gedichten über die Propheten oder Themen der Hadith, sehr lebendig.

 

Empfohlene Literatur:

Bertoncini, Elena.1989. Outline of Swahili Literatur: Prose Fiction and Drama. Leiden: Brill.
Gurnah, Abdulrazak. 1994. Paradise. London: Penguin.
Mazrui, Alamin M. and Ibrahim Noor Shariff. 1994. The Swahili - Idiom and Identity of an African, People. /> Trenton, NJ: Africa World Press.
Spear, Thomas and Thomas Hinnenbusch. 1981. The Swahili. Philadelphia: University Pennsylvania Press.
Whiteley, Wilfred. 1969. Swahili, the Rice of a National Language. London: Methuen & Co.
Zawawi, Sharifa. 2001. (New edition). Kiswahilli kwa Kitendo. Trenton, NJ: Africa World Press.