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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

14.02.: Von der Blutsteuer zu „Brunnenvergiftern“ – Über Gerüchte & Fake News in der Geschichte Japans

Vortrag von Prof. Dr. Maik Hendrik Sprotte, FU Berlin
Wann 14.02.2019 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100) iCal
Wo Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Luisenstr. 39, 10117 Berlin
Kontaktname Dr. Harald Salomon
Kontakt Telefon 2093-66923

Das Gerücht als „ältestes Medium der Welt“ (Jean-Noël Kapferer) umgibt uns in alltäglichen Situationen und verfügt nur über eine begrenzte Wirkung, soweit es sich in einem Zustand relativer Ruhe, des Friedens auf der gesellschaftlichen Ebene sowie politischer und wirtschaftlicher Stabilität entwickelt und verbreitet. Sobald aber eine Krisensituation eine Gesellschaft oder ihre Teilbereiche erfasst, entfalten Gerüchte eine Wirkung, die es erforderlich macht, ihre Entstehung und Verbreitung besser zu verstehen. Die Analyse der Inhalte, der Verbreitungswege sowie der Folgen spezifischer Gerüchte bzw. prominenter Fake News innerhalb des japanischen Gemeinwesens werden im Zentrum dieses Vortrages stehen. In einem langen historischen Bogen vom 12. bis ins 21. Jahrhundert werden ausgewählte Gerüchte sowie deren gelegentlich gewalthafte Wirkungsmacht vorgestellt und kontextualisiert. Wenn auch ein japanisches Sprichwort die Lebensdauer eines Gerüchts auf „nur“ 75 Tage beschränkt, wird gezeigt werden, dass sich manche ihrer Inhalte in nahezu unveränderter Form und jenseits logischer Zugänge einer „entzauberten Welt“ bis ins Japan der Gegenwart als sehr viel beständiger erweisen.

 

Maik Hendrik Sprotte ist gegenwärtig Gastprofessor für Sozial- und Kulturgeschichte am Ostasiatischen Seminar (Japanologie) der Freien Universität Berlin. Er studierte Japanologie, Politische Wissenschaften und Vergleichende Religionswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, an der er auch mit einer Arbeit über den japanischen Frühsozialismus in der ausgehenden Meiji-Zeit promoviert wurde. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich der historischen Japanforschung. Neben den historischen Grundlagen der japanischen Zivilgesellschaft beschäftigte er sich u.a. mit der Gesellschaft Japans im Asiatisch-Pazifischen Krieg, Aspekten des Shintō-Nationalismus und jüngst mit der Geschichte des modernen Gesellschaftstanzes in Japan in sozial- und rechtsgeschichtlicher Perspektive.