Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

20.01.: „Ein Buch auf das wir gewartet haben.“ Tetsuro Yoshida: Das japanische Wohnhaus

Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Manfred Speidel
Tetsuro Yoshida, Das japanische Wohnhaus, Wasmuth Berlin 1935.
Erste Auflage des Buches Das japanische Wohnhaus, Berlin: Wasmuth 1935.

 

 

Yoshidas Buch ist erst das zweite über das japanische Wohnhaus in deutscher Sprache, 32 Jahre nach Franz Baltzer „Das japanische Haus“, 1903.

Yoshida (1894-1956) war Architekt im japanischen Ministerium für Post und Telekommunikation und entwarf die wichtigsten Post- und Telegrafenämter Japans. Wie kommt ein japanischer moderner Architekt dazu, nach einem Erkundungsaufenthalt in Europa und den USA 1931-1932, ein Buch über das traditionelle japanische Wohnhaus zu schreiben, um es dann (nur) in Deutschland zu publizieren? Yoshida kam damit in Konkurrenz zu Bruno Taut, der 1933 nach Japan emigrierte und mit dem er gut befreundet war. Taut schrieb 1935 an seinem Buch „Das japanische Haus und sein Leben“, das allerdings erst 1937 in englischer Sprache erschien. Yoshida präsentierte in seinem Buch für deutsche Leser zum ersten Mal die Villa Katsura mit einer Serie von mehr als 40 hervorragenden Abbildungen, die auch Taut im selben Jahr, aber in der französischen Zeitschrift l’architecture d’aujourd’hui über neue japanische Architektur, mit nur ganz wenigen Abbildungen vorstellen konnte. Tauts Buch kam erst 1997, also nach weiteren 62 Jahren in der deutschen Sprache heraus.
Yoshida brachte nach dem Weltkrieg noch drei Bücher im Wasmuth Verlag heraus: „Japanische Architektur”, 1952, die zweite, veränderte Auflage von „Das japanische Wohnhaus”, 1954, und posthum, 1957, „Der japanische Garten.”
 

Es handelt sich um einen Beitrag zur Vortragsreihe "Architekturen der Begegnung", die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität organisiert wird.

 

Der Vortrag findet digital über Zoom statt. Die Zugangsdaten folgen an dieser Stelle in Kürze.

 
Manfred Speidel, Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing., wurde 1938 in Stuttgart geboren und erhielt 1965 das Diplom an der TH Stuttgart im Fach Architektur; 1966-1975 Forschungsstudent in Japan; 1973 Promotion an der Waseda Universität, Tokyo; 1975-2003 Professur für Architekturtheorie an der RWTH Aachen. Themen: Geschichte der modernen Architektur in Europa, Amerika und Asien, Volksarchitektur verschiedener Länder und Architekturanthropologie. Publikationen zu Dominikus und Gottfried Böhm, sowie Heinz Bienefeld. Herausgabe der Schriften von Bruno Taut (1880-1938), im besonderen die utopischen Werke und diejenigen im japanischen und türkischen Exil. Bisher erschienen 14 Bände. Experimenteller Lehmbau seit 1979.