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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

15.03.: "Ich, Kusama Yayoi, bin die moderne Alice im Wunderland"

Wann 15.03.2018 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100) iCal
Wo Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Luisenstraße 39, 10117 Berlin
Kontaktname Beate Wonde
Kontakt Telefon 030-282 60 97

Nora Bierich und Beate Wonde im Gespräch
 

über die im Februar 2017 im Piet Meyer Verlag erschienene deutsche Ausgabe von Kusama Yayois  „Infinity Net. Meine Autobiografie“, ihr Verhältnis zu Japan und die Arbeit an der Übersetzung

 

Insel Naoshima (B. Wonde)

 

Ich bin mit 28 Jahren nach Amerika gegangen. Hätte ich das nicht getan, wäre ich heute nicht die, die ich bin.

In ihrer Autobiografie schildert die heute fast 90jährige Kusama Yayoi in einfachen, klaren Worten ihren tollkühnen Aufbruch in eine neue Welt. Sie erinnert sich an das, was sie familiär geprägt, ja traumatisiert hat, was sie hinter sich lassen wollte und musste auf der Suche nach einer einzigartigen Kunst.

Als anfangs bettelarme Künstlerin in New York malte Kusama, getrieben von Halluzinationen und Ideenschüben, ihre großen Netzgemälde. Bald kamen Softskulpturen hinzu und viele heute legendäre Happenings und Bodypaint-Aktionen, mit denen sie in der New Yorker Hippie-Szene neben Andy Warhol zur Leitfigur avancierte, während die japanische Presse sie verdammte und ihre Familie auf Abstand ging.

Als sie in den 1970er Jahren, zermürbt von der psychischen Krankheit, schließlich nach Japan zurückkam, ließ sie sich in Tokyo in eine psychiatrische Klinik einweisen, in der sie bis heute lebt. Gegenüber der Klinik aber hat sie sich ihr Atelier eingerichtet, in dem sie tagsüber obsessiv an ihren Bildern arbeitet.

Seit ihrer Rückkehr hat Kusama Yayoi immer wieder über das unterschiedliche Verständnis von Kunst in Japan und der westlichen Welt nachgedacht und darüber, wie man Kunst und KünstlerInnen in ihrem Heimatland besser fördern könnte.

Inzwischen hat sie mit Japan Frieden geschlossen und die Schönheit der Natur und der japanischen Sprache wiederentdeckt. Neben ihrer Malerei begann sie Gedichte und Romane zu schreiben. Die Verleihung des Yasei-Jidai-Preis 1983 für ihren Roman Die Höhle der Stricher von Christopher Street markierte ihr offizielles Debüt als Schriftstellerin, viele weitere Texte und Auszeichnungen folgten.

Heute ist Kusama Yayoi eine weltweit gefeierte Künstlerin, mit ihren Punkten und Kürbissen gilt sie als Ikone der Avantgardekunst, die sich gut zu vermarkten weiß. Nach mehreren großen Ausstellungen auch in Japan eröffnete die Künstlerin Ende September 2017 in Shinjuku ihr eigenes Museum in unmittelbarer Nähe zu der psychiatrischen Klinik, in der sie lebt. Träger ist die Kusama-Stiftung, die sich auch für die Verbreitung ihres Oeuvres einsetzt.

 

Offizielle Webseite: http://yayoi-kusama.jp/

 

Nora Bierich studierte Philosophie und Japanologie in Berlin und Tôkyô und übersetzt seit über zwanzig Jahren japanische Literatur. 2008 erhielt sie für ihre Übertragung von Ôe Kenzaburôs Tagame. Berlin – Tokyo den Übersetzerpreis der Japan Foundation. Nora Bierich lebt und arbeitet in Berlin.

Sie übersetzte u.a. Karatani Kôjin, Murakami Haruki, Ôe Kenzaburô, Kaneshiro Kazuki und Seirai Yûichi. Neben der Autobiografie von Kusama Yayoi erscheint im Piet Meyer Verlag demnächst in ihrer Übersetzung ein Porträt des Bildhauers Giacometti aus der Feder seines japanischen Freundes, des Philosophen Yanaihara Isaku. Momentan arbeitet Nora Bierich an der Übersetzung eines weiteren Romans von Ôe Kenzaburô.