Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Appealing to the Masses: Indian Communist Dialectics of Emancipation and Religiosity

Dissertationsprojekt von Patrick Hesse

 

Die Communist Party of India (CPI), gegründet 1920 und erstmals gespalten 1964, gehört, zieht man ihre Relevanz innerhalb der politischen Struktur Indiens in Betracht, weltweit zu den bedeutendsten ihrer Art. Sie war nicht nur die erste kommunistische Partei, die demokratisch gewählt und eingesetzt wurde (1957 im Bundesland Kerala), sondern es gelang ihr auch, über drei Jahrzehnte in Westbengalen an der Macht zu bleiben. In beiden Bundesländern stützt sich die Partei auf eine breite Anhängerschaft in der Bevölkerung. In den meisten der verbleibenden indischen Territorien kommt ihr eine historische Bedeutung als Speerspitze von Arbeiterorganisationen und Bewegungen von Landarbeitern zu.

Die Dissertation soll herausfinden, wie die indischen Kommunisten sich daran gemacht haben, beides zu versöhnen: ihr politisches Emanzipationsprojekt und die vorherrschenden Bedingungen im indischen Subkontinent, die offensichtlich auch ihr revolutionäres Subjekt, nämlich das Proletariat, betrafen. Anfangs wird der Einfluss der ausschlaggebenden Rollenmodelle und Ratgeber (Marx, Lenin und die Kommunistische Internationale) nachvollzogen. Dabei wird der kolonialen Zensur, die die Erhältlichkeit weiter Teile literarischen Materials in Indien verhinderte, Rechnung getragen. Nach einer Betrachtung der theoretischen Grundlagen der Partei durch Analyse von Parteidokumenten, kommunistischen Zeitschriften und den vorhandenen Interviews mit frühen indischen Kommunisten soll festgestellt werden, in welchem Ausmaß die Umgebung der Partei ihre theoretische Formierung und ihre Praxis beeinflusst hat, inwieweit ihre Sichtweise sich im Laufe der Zeit gewandelt hat und inwiefern die Antworten der Kommunisten auf die umgebenden religiösen Ideologien selbst ideologisch motiviert waren. Dabei soll auch betrachtet werden, durch welche Prozesse innerhalb der Partei sie zustande kamen. In diesem Kontext soll der Rezeption des Kommunalismus und religiöser (Protest-)Bewegungen eine besondere Aufmerksamkeit gelten. Bedeutende Meilensteine sind die Khilafat-Bewegung der frühen 1920er-Jahre, aus der die Kommunisten ihre frühen Kader rekrutierten sowie die Pakistan-Agitation der Muslim-Liga in den 1940er-Jahren. Dabei soll gezeigt werden, dass die resultierenden Fragen nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, dass es sich nicht einfach um taktische Positionen handelt, sondern um solche, die Grundlagen politischer Konzepte kommunistischer Parteien überhaupt berühren, d.i. die der Rolle der "Massen" und der kapitalistischen Entwicklung.

 

 

 

Patrick Hesse studierte Englische Philologie und Neuere und Neueste Geschichte in Freiburg i.Br. 2007 schloss er sein Studium mit einer MA-Arbeit zum kommunalisten Charakter der Muslim-Liga ab. Seit 2009 arbeitet er an seiner Dissertation, seit 2010 ist er Stipendiat von Erasmus Mundus.