Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Zwischen den Kulturen: Übersetzen

Übersetzung in der Mori-Ôgai-Gedenkstätte

 

Die Übersetzung von Romanen und Theaterstücken unterscheidet sich
von der philologischen Forschung. Es ist nicht damit getan, die Worte
einfach eines nach dem anderen zu übersetzen und aneinanderzureihen.
Deswegen kümmert es mich nicht im geringsten, wenn kritisiert wird,
dass sich ein von mir ergänztes Wort im Original nicht finde,
oder man bemängelt, dass dort Wörter stehen, die ich bewusst ausgelassen habe.

- Mori Ôgai

 

Übersetzen gehört zu den Kerntechniken des Vermittelns zwischen den Kulturen: Es macht Kommunikation möglich, verleiht dem Gegenüber eine Stimme, erschließt Denkstrukturen und ebnet den Weg zu literarischen Sinnwelten.

Mori Ôgai war nicht nur einer der produktivsten Übersetzer seiner Zeit, er eröffnete dem Japanischen durch kreative Transferarbeit auch neue Ausdrucksmöglichkeiten (↗ Ôgai als Übersetzer im Ôgai Portal). Die Mori-Ôgai-Gedenkstätte setzt sich dafür ein, literarische Übersetzung aus dem Japanischen zu fördern und insbesondere die Werke ihres Namensgebers und seiner Zeitgenossen durch Übersetzungen zu erschließen. (s.a. ↗ Ôgais Werke in Übersetzung)

 

Ausblick

 

Workshops

 

Die Gedenkstätte bietet halbjährlich Übersetzungs-Workshops mit Übungen vom Japanischen ins Deutsche - die Ankündigung erfolgt über diese Webseite und unseren Mailverteiler (Eintragung über mori-ogai (at) hu-berlin (dot) de. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Die Workshops werden von Nora Bartels geleitet. Sie ist Referentin für Bildungsarbeit der Mori-Ōgai-Gedenkstätte und übersetzt seit einem Jahrzehnt Bücher, Filme, Anime und Manga für deutschsprachige Verlage.

 

Einführung ins Übersetzen (Japanisch-Deutsch)

In zwei Lerneinheiten diskutieren die Teilnehmer*innen mögliche Ziele des Übersetzens und erarbeiten sich darauf abgestimmte Methoden. Sie lernen relevante Besonderheiten des Japanischen kennen und machen sich mit verschiedenen Möglichkeiten vertraut, Wörter und Phrasen ins Deutsche zu übertragen. Schwerpunkt des Workshops sind Übungen, anhand derer die Teilnehmer*innen in Kleingruppen und allein eigene Übersetzungserfahrungen sammeln. Anschließend werden die Lösungsideen im Plenum diskutiert.

Zeit: 4h (2x2, mit Pause)

 

Übersetzen von Literatur und Film (Japanisch-Deutsch)

Dieser virtuelle Übersetzungs-Workshop wendet sich an Fortgeschrittene, die schon Erfahrung im Übersetzen aus dem Japanischen besitzen. In zwei Lerneinheiten beschäftigen sich die Teilnehmer*innen mit Herausforderungen des Übersetzens, wobei der Schwerpunkt auf der Übertragung von Literatur und Film im weiteren Sinne liegt.

Die Veranstaltung unterteilt sich in zwei Phasen: In der Übungs-Phase finden die Teilnehmer*innen in Kleingruppen und allein Lösungen zu typischen Herausforderungen und diskutieren sie anschließend im Plenum. In der Netzwerkphase haben sie die Gelegenheit, in den Austausch theoretisch-methodischer Erfahrungen zu treten und Kontakte zu knüpfen.

Zeit: 4h (2x2, mit Pause)

 

Werkstatteinblick (Japanisch-Deutsch)

In diesem Format stellen Übersetzer*innen ihre aktuelle Arbeit vor - darunter unterschiedliche Texte wie Romane, Sach- oder Drehbücher. Sie sprechen über die Übersetzungs-Konzepte, die sie maßgeblich geleitet haben, zeigen, welche Vorarbeiten und Recherchen nötig waren und stellen Gesichtspunkte des Textes vor, die sie besonders herausgefordert haben. Auch technische Fragen haben hier ihren Raum: An welche Vorgaben von welchen Akteuren musste man sich halten? Konnte man sich frei entscheiden, wie der Text gestaltet wird? Welchen Eindruck vom Text suchte man zu übertragen, und ist es gelungen? Die Teilnehmer*innen erhalten Einblicke in die Entstehung eines Übersetzungswerkes, können Fragen stellen und gemeinsam verschiedene Lösungswege diskutieren. Offen für alle, die sich für Übersetzungen oder japanische Kultur und Kunst interessieren; Vorkenntnisse des Japanischen sind nicht nötig.

Zeit: 2h

 

 

Rückblick (Auswahl)

Ursula Gräfe (Übersetzerin) - Sprechende Affen und schnarrende Aufziehvögel:
Zur Übersetzung von Sprachbildern in Texten von Haruki Murakami
, 17. 5. 2021

Workshop "Übersetzen von Literatur und Film". 8. 4. 2021

Workshop "Einführung ins Übersetzen". 25. 3. 2021

Nora Bierich (Übersetzerin) - Isaku Yanaihara: "Mit Albert Giacometti. Ein Tagebuch".  Gespräch über die Übersetzung des Porträts des Bildhauers Giacometti aus der Feder seines japanischen Freundes, des Philosophen Yanaihara Isaku. 23. 5. 2019.

Ursula Gräfe (Übersetzerin) - Abgründiges: Murakami Harukis innere Landschaften.  Gespräch über Murakami Harukis "Die Ermordnung des Commendatore". 24. 5. 2018.

Nora Bierich - "Ich, Kusama Yayoi, bin die moderne Alice im Wunderland".  Gespräch über die Autobiografie von Kusama Yayoi, ihr Verhältnis zu Japan und die Arbeit an der Übersetzung. 15. 3 2018.

Nora Bierich und Ursula Gräfe im Gespräch - Kamaboko oder Fischwurst. Die beiden Übersetzerinnen im Austausch über japanische Begrifflichkeiten und kulturelle Aspekte bei der Übertragung ins Deutsche, mit Schwerpunkt auf dem Thema "Essen" in der neueren japanischen Literatur. 20. 4. 2017.