Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Mori Ōgai als Übersetzer von Rilkes Novelle 'Weißes Glück'

Vortrag von Dr. Michaela Oberwinkler (Universität Düsseldorf), 20. Juli 2023

Die Novelle "Weißes Glück" von Rainer Maria Rilke wurde 1910 von Mori Ōgai ins Japanische übertragen. In dem Vortrag sollen Mori Ōgais Übersetzungstechniken, die er bei der Übertragung dieser Geschichte anwandte, vorgestellt und mit den Methoden späterer Übersetzungen von Ōyama Teiichi und Itō Yukio kontrastiert werden. Um die Besonderheiten von Mori Ōgais Translationstechnik herauszuarbeiten, wird die Wahl des Titels thematisiert, die jeweilige Satzlänge analysiert und auf Unterschiede bei den Personenbezeichnungen eingegangen. Auch die Darstellung von Farben und Geräuschen, die eine wichtige Rolle in Rilkes Novelle spielen, weisen auf Mori Ōgais besonderen Sprachstil hin. Schließlich zeigt sich Mori Ōgais Haltung gegenüber dem deutschen Original im Umgang mit kulturspezifischen Realia. So wird durch den Vergleich mit den anderen Translatoren Mori Ōgais besondere Herangehensweise beim Übersetzen deutlich.

 

Es handelt sich um einen Beitrag zur Veranstaltungsreihe "Mori Ogai und die Vielfalt des Wissens".

 

Michaela Oberwinkler

Michaela Oberwinkler studierte Japanisch und Chinesisch im Übersetzerstudiengang am Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Bonn. Im Anschluss an ihre Dissertation zum Thema „Neue Sprachtendenzen im japanischen Internet“ an der Japanologie in Tübingen übernahm sie für drei Jahre die Leitung des Tübinger Zentrums für Japanstudien an der Dōshisha University in Kyōto. Seit 2022 ist sie als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Modernes Japan in Düsseldorf tätig. Ihre Forschungsthemen umfassen interkulturelle Fragestellungen, digitale Kommunikation sowie übersetzungswissenschaftliche Besonderheiten in Bezug auf das Sprachenpaar Japanisch – Deutsch.