Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Die Passion des Provokateurs. Zur Rezeption der Filme von R. W. Fassbinder in Japan

Vortrag von Dr. Kayo Adachi-Rabe
  • Wann 18.06.2015 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Mori-Ôgai-Gedenkstätte, Luisenstr. 39, 10117 Berlin
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Zweifelsohne gilt Rainer Werner Fassbinder unter den heutigen internationalen Cineasten als der bedeutendste deutsche Regisseur nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch kaum ein anderer Filmemacher wurde zu Lebzeiten so kontrovers aufgenommen wie er. In der Geschichte der Rezeption seiner Werke in Japan verdichtet sich die Problematik, die ihn und seine Filme generell begleitet hat. Lange Zeit verzögerte sich die allgemeine Anerkennung des Erneuerers des Gefühlskinos wegen einer konservativen Grundstimmung in der ästhetischen Tradition, in der Filmkritik und in der Gesellschaft des fernöstlichen Landes. Den wenigen, aber wortstarken Plädoyers für die Filme des ‚abendländischen Außenseiters‘ gelang es jedoch, die eigentümliche Qualität seiner Werke treffend herauszuarbeiten. Im Zusammenhang mit der großen Wirkung von Fassbinders Schaffen auf seine Nachwelt wächst heute auch in Japan eine neue Generation heran, die ihn für sich wiederentdeckt. In dem Vortrag wird versucht, eine landesspezifische Wahrnehmung von Fassbinder zu analysieren, in der sein Konzept der Provokation eine wichtige Rolle spielt.

 

Dr. Kayo Adachi-Rabe

promovierte 2002 im Fach Medienwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg mit einer Arbeit zum Thema Abwesenheit im Film. Zur Theorie und Geschichte des hors-champ (Münster: Nodus 2005). 1997 – 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Japanologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Leipzig. 2012 Professurvertretung im Institut für Modernes Japan an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit 2012 Lehraufträge am Lehrstuhl für Geschichte und Ästhetik der Medien der Friedrich-Schiller-Universität Jena und an der Fakultät Medien an der Bauhaus-Universität Weimar.

 

Literaturhinweis:

Kayo Adachi-Rabe: „Die Passion des Provokateurs. Zur Rezeption der Filme von R. W. Fassbinder in Japan“, Stephan Köhn (Hg.): Fremdbilder – Selbstbilder. Paradigmen japanisch-deutscher Wahrnehmung (18612011), Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2013 (Kulturwissenschaftliche Japanstudien 6), 281–99.