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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Selbstbildnisse russischer Frauen und Männer in Usbekistan.

Selbstbildnisse russischer Männer und Frauen in Uzbekistan - auf den Spuren einer kollektiven (Diaspora-) Identität

 

Barbara Lemberger / Katja Mielke

 

Forschungsprojekt
Auszüge aus einigen Interviews
 

Nach der Auflösung der Sowjetunion fanden sich zu Beginn der 1990er Jahre die Angehörigen sehr unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen außerhalb des Territoriums ihrer Titularrepubliken wieder, so auch sehr viele Russen und andere Russischsprachige in den nun unabhängigen zentralasiatischen Republiken. Im Laufe der letzten 15 Jahren sind die meisten russischsprachigen Familien in die Russische Förderation ausgewandert, gegenwärtig leben lediglich noch mehrere 10.000 RussInnen in Uzbekistan.

Im Rahmen unserer Kleinforschung im Frühjahr 2003 sammelten wir lebensgeschichtliche Interviews in Uzbekistan, um aus den Erinnerungserzählungen (Oral History-Ansatz) russischer Männer und Frauen Rückschlüsse auf ihre gegenwärtige Lebenswelt und ihre Selbstwahrnehmung zu ziehen. Schließlich sollte die Feldforschung erste Hinweise dazu geben, inwiefern man in bezug auf die heute in Uzbekistan lebenden RussInnen von einer sie verbindenden kollektiven Identität - und weiterführend von einer "russischen Diaspora" - sprechen kann. Bis heute gibt es kaum alltagsweltliche Forschungen zur vergangenen wie gegenwärtigen Lebenswelt dieser Gruppe, die spätestens ab 1991 an offiziellem Status und Ansehen eingebüßt hat: Während sie heute rückblickend oft als Kolonisierer, unerwünschte Russifizierer und Unterdrücker der einheimischen Bevölkerung während der 70jährigen Sowjetherrschaft dargestellt werden, kamen sie in ihren eigenen Augen als Entwickler, Bringer des Fortschritts und treibende Kräfte beim Aufbau der mittelasiatischen sozialistischen Sowjetrepubliken. Dieses positiv konnotierte Selbstbild der vergangenen Lebenswelt der RussInnen steht im deutlichen Gegensatz zur heutigen Selbstwahrnehmung als Marginalisierte, die unverschuldet im Stich gelassen wurden.

 

Im russischen Kulturzentrum in Buchara: Es ist im Verwaltungsgebäde des örtlichen Militärstützpunktes untergebracht.
(Foto: Lemberger / Mielke 2004)