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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

The History of Perestroika in Central Asia, Social Transformation in Kazakhstan, Kyrgyzstan and Mongolia, 1982-1991

 

Projektleiterin:

Dr. Irina Morozova

Senoir Scholars:
Dr. Tolganai Umbetalieva (Kazakhstan)
Dr. Gulnara Aitpaeva (Kyrgyzstan)
Prof. Jigjidijn Boldbaatar (Mongolia)

Ph.D. Studenten:
Munkhsaruul Enkhbaatar (Mongolia)
Ainura Turgangazieva (Kyrgyzstan)
Saltanat Orazbekova (Kazakhstan)

Kurzinfo:

The project investigates the adaptive strategies of social groups in Kazakhstan, Kyrgyzstan and Mongolia during perestroika in a broader socio-cultural context and seeks to explain how the newly introduced ideological trends and cultural ideas impacted on social groups and personalities. The project follows a genuinely comparative approach and aims to distinguish the similarities, differences and specifics of patterns of social consolidation in the three societies. The study begins chronologically at the end of Brezhnev's era in 1982 and Tsedenbal's long rule in Mongolia in 1984 and continues up to the dissolution of the USSR and CMEA in 1991. The project is carried out by an international research team that includes senior and junior researchers from Kazakhstan, Kyrgyzstan and Mongolia; the senior scholars supervise selected doctoral students, who write their PhD theses in the framework of the project at their home institutions.

Zusammenfassung:

Das Forschungsprojekt steht in einer Reihe mit aktuellen Studien zum sozialen Wandel in Perioden struktureller Krisen. In allen post-sozialistischen bzw. post-sowjetischen Ländern war der Wandel von sozialistischer Staatswirtschaft und Herrschaft der kommunistischen Partei zum markt-orientierten Modell und neoliberaler Ideologie mit einem schmerzhaften Prozess verbunden, der zu wirtschaftlichem Verfall, Stagnation und zur gesellschaftlichen Marginalisierung und Polarisierung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen führte. Die unterschiedlichen Entwicklungsabläufe im post-sowjetischen Kasachstan und Kirgistan sowie in der post-sozialistischen Mongolei lassen sich durch vergleichende Analysen der sozio-politischen Dynamiken und Reformen während der Perestroika, den unterschiedlichen Status der Eliten gegenüber Moskau und die jeweiligen Besonderheiten in Bezug auf kulturelle und religiöse Institutionen und Identitäten vor dem Zerfall der Sowjetunion erklären. Die ideologischen Trends, die mit der Perestroika wieder an die Oberfläche kamen, determinierten nicht nur die Richtung der sozialen Transformationen, sondern spiegeln sich auch noch immer in der Einstellung der Menschen zur Reform.

Als zu Beginn der 1990er Jahre die Re-Nationalisierung der Historiographie in den gerade erst unabhängig gewordenen Staaten begann, wurde die jüngste sowjetische Vergangenheit entweder als eine Periode gesellschaftlichen Chaos' verzerrt oder als Ausgangspunkt eines nationalen Erwachens kontrastiert. In den aktuellen Studien zur Geschichte Zentralasiens im 20. Jahrhundert wurde der späten sowjetischen Periode wenig Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl der entscheidende Wandel, der mit dem Eindringen neuer Trends aus dem Westen und dem orientalischen Raum ins sowjetische Zentralasien und die Mongolei einherging, allgemein anerkannt wurde.

Dieses Projekt widmet sich der jüngsten Vergangenheit: Es untersucht die Anpassungsstrategien gesellschaftlicher Gruppen in Kasachstan, Kirgistan und Mongolei während der Perestroika in einem weiteren sozio-kulturellen Kontext und ist bestrebt zu erklären, wie sich die neu eingeführten ideologischen Trends und kulturellen Ideen auf gesellschaftliche Gruppen und Persönlichkeiten auswirkten. Das vergleichende Element bildet dabei den Kern der Forschung und zielt darauf ab, die Ähnlichkeiten, Unterschiede und spezifischen Muster von sozialer Konsolidierung in den drei Gesellschaften herauszuarbeiten. Die Studie beginnt chronologisch mit dem Ende der Ära der "Kaderstabilität" Breschnews im Jahr 1982 und der langen Herrschaft Tsedenbals in der Mongolei im Jahr 1984 und fährt fort bis zur Auflösung der UdSSR und der CMEA von 1991.

Die Forschung basiert auf Feldinterviews, frei zugänglichen und veröffentlichen Quellen, sowie verschiedenen Medien aus den nationalen Archiven, Erinnerungen, Literatur und Literaturkritiken sowie Statistiken. Obwohl manche der Materialien, die aus sowjetischen Zeitungen und öffentlichen politischen Zeitschriften extrapoliert wurden, veröffentlicht sind, ist der größte Teil des Datenmaterials noch unbearbeitet geblieben. Aktuell besteht die einzigartige Gelegenheit narrative Erzählungen zur Perestroika in Zentralasien zu sammeln. Es werden im Rahmen von Oral-history Interviews mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen, politischen und ethnischen Gruppen auf republik-weiter, regionaler und lokaler Ebene geführt werden. Da die Ideologie der Perestroika von verschieden Schichten der Bevölkerung unterschiedlich erfahren wurde, und die Wahrnehmungen der Perestroika durch die Menschen sich in einem kontinuierlichen Fluss befunden haben, werden die Kategorien, die die Befragten zur Beschreibung sozialer Realität benutzen zu kontextualisieren und zu überprüfen sein.

Der longue durée Ansatz wird genutzt werden, um die sozialen Transformationen zentralasiatischer Gesellschaften während der Perestroika zu analysieren. Es wird davon ausgegangen, dass gesellschaftliche Gruppen die Macht besitzen, die Entwicklungsabläufe sozio-politischer Transformation zu beeinflussen. Macht wird nicht ausschließlich als in staatlichen Institutionen konzentriert, sondern auch als auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen auf verschiedenen Ebenen verteilt betrachtet. Das Konzept der Titularnation wurde von Gruppen die an die Macht kamen, umformuliert und der Bevölkerung aufgezwungen, während andere Identitäten, zusammenhängend mit Ethnizität, Religion und neuen ideologischen Trends sich oft in ambivalenter Form und von der Regierung unkontrolliert entwickelten.

Die Forschung wird von einer internationalen Forschungsgruppe durchgeführt werden, die aus dem Projektleiter und erfahrenen Forschern aus Kasachstan, Kirgistan und der Mongolei besteht. Die erfahrenen Forscher werden ausgewählte Doktoranden anleiten, die ihre Doktorarbeit im Rahmen des Projekts an ihren Heimatinstitutionen schreiben werden. Alle vergleichenden und Fallstudien werden in den größeren Projektrahmen eingeordnet, kontextualisiert und in einem abschließenden Sammelband zusammengeführt werden.

Beirat des Projektes:

- Prof. Jacques Legrand, President of INALCO (Institut National des Langues et Civilisations Orientalist), Paris
- Prof. Dr. Matthias Middell, Director of the Centre for Advanced Studies, University of Leipzig
- Prof. Dr. Hans-Henning Schröder, Head of Research Division Russian Federation/CIS, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin
- Prof. Dr. Petra Stykow, Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft, Universität München
- Prof. Dr. Peter van der Veer, Director of the Max Planck Institute for the Study of Religious and Ethnic Diversity, Göttingen