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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Kolkata – Glimpses of Heritage

Ein gemeinsames Forschungs- und Publikationsprojekt zwischen dem Seminar für Südasien der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Department of History in Jadavpur, Kolkata

1990 feierte man den 300. Geburtstag der Stadt Calcutta. Aus diesem Anlass wurde eine Reihe von interessanten Büchern über die Stadt publiziert, u.a. der zu einer Art Referenzwerk gewordene zweibändige Sammelband „Calcutta – The Living City“, herausgegeben von Sukanta Chaudhuri. Inzwischen heißt die Stadt Kolkata  und das Gründungsdatum 24. August 1690 hat man gestrichen. Darüber hinaus durchlebt die Stadt seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts rasante Veränderungen. Im Stadtbild erscheinen große Einkaufszentren (Malls), schicke Cafes und immer mehr Hochhäuser oder Gruppen von Hochhäusern. Diese Townships sind in der Regel eingezäunt und werden bewacht (gated communities). Die bestehende Infrastruktur kann den zunehmenden Individualverkehr kaum bewältigen. Auch am Rande der Stadt entstehen neue Siedlungsgebiete und Gewerbezentren, meist für die IT-Industrie. Finanzzentren, Kliniken, Colleges, Sportplätze, Malls bieten der wachsenden Mittelschicht einen modernen Lebensstil. Kapital, Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze sollen angelockt werden, um die Stadt am Leben zu halten. Diese neue Glitzerwelt funktioniert in unterschiedlichen Maßen.

 

Im Unterschied zu diesen neuen Entwicklungen scheint sich in den Kerngebieten der Stadt (Kolkata proper) wenig zu verändern. Die Schönheit ihrer Häuser, Straßen und Gassen ist dem Vergessen und Verfall preisgegeben. Doch es gibt seit dem Ende der 90er Jahre eine von der Regierung eingesetzte Heritage-Commission, die damit begonnen hat, das reiche architektonische, soziale und kulturelle Erbe der Stadt aufzulisten und zu publizieren. Eine Reihe von staatlichen und privaten Organisationen und Institutionen, einzelne Wissenschaftler und Einwohner der Stadt setzen sich für die Bewahrung und Gestaltung dieses historischen Erbes ein. Auch die Briten als ehemalige Kolonialherren und Baumeister in Kolkata engagieren sich zunehmend im Erhalt von Gebäuden. Ebenso Dänen und Franzosen, die hier im 18. Jahrhundert ihre Niederlassungen hatten. 

 

Nicht immer ist dabei der Mangel an Geld das entscheidende Hindernis beim Erhalt des Erbes. Vielmehr ist es oft das Desinteresse von Politikern und Verwaltungen, wodurch die Arbeit behindert wird. Auch Teile der Bevölkerung gehen achtlos mit ihrer Umgebung um, manchmal aus Not, manchmal aus Unwissenheit. So gleicht Kolkata mancherorts einer riesigen Kloake. Überdimensionale Werbetafeln, Flyovers, Verbauungen jeglicher Art verschandeln das Stadtbild.

 

Die Forschungsaufenthalte in Kolkata 2012 und 2013 von Dr. Melitta Waligora haben deutlich gemacht, dass eine vordringliche Aufgabe auch der Wissenschaftler darin besteht, zu einer Änderung im mind-set beizutragen. In diesem Kontext wurde die Idee entwickelt, einen Sammelband mit Beiträgen zu verschiedenen Aspekten des Erbes von Kolkata zu publizieren. Damit soll an die oben genannte Publikation von Sukanta Chaudhuri angeknüpft und zugleich mit der Themenwahl erweitert und aktualisiert werden. Dieser Band soll ein Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaftlern aus Kolkata/Jadavpur und Berlin/HU werden. Das Projekt dient im Weiteren der Vertiefung der begonnenen Zusammenarbeit.

 

Verantwortliche Editoren

Dr. Anuradha Roy (Jadavpur University, Kolkata)

Dr. Melitta Waligora (Humboldt-Universität, Berlin)